VLKÖ - Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs

 

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VLKÖ
VERBAND DER LEITENDEN KRANKENHAUSÄRZTE ÖSTERREICHS
 
NEWSLETTER 3/2014
 
 
 
Vorwort des Präsidenten
 
         
  Prim.Univ.Doz.Dr. Otto Traindl   Liebe KollegInnen und Kollegen,
 
ich freue mich Ihnen den 3. Newsletter des VLKÖ dieses Jahres vorzulegen. Die österreichische Gesundheitspolitik – und mit ihr alle Vertreter und Vertreterinnen - ist derzeit stürmischen Zeiten ausgeliefert. Kaum ein Tag vergeht, an welchem nicht das Dienstrecht und die Zukunft der österreichischen Krankenhäuser diskutiert wird. So haben wir uns auch als VLKÖ beim äußerst gut besuchten Workshop-Tag Ende Oktober den großen Themenblöcken (...)
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„Der Österreichische Gesundheitsplan“ und „die Rolle des Primararztes“ gewidmet, dessen Ergebnisse Sie hier bzw. auf unser Homepage finden können.

Herzlichen Dank an allen ReferentInnen und TeilnehmerInnen, die sich mit ihrer Expertise engagiert eingebracht haben. Ein großes Dankeschön auch an die VAMED, die uns wieder den Raum entgeltlich zur Verfügung gestellt haben.

Ein weiterer Beitrag in diesem Newsletter, welcher das Thema der Zukunft der SpitalsärztInnen beleuchtet, kommt vom Kollegen Dr. Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.

Natürlich spielt auch im Jahre 2015 das Spannungsfeld von Ökonomie des Gesundheitswesens und unserer medizinischen Berufsethik, in welchem sich PrimarärztInnen beständig bewegen, eine große Rolle. Daher lade ich Sie herzlich ein, sich mit Ihrer Expertise im VLKÖ einzubringen und aktiv zu werden. Gerne nehmen wir ihre Anregungen und ihr Feedback unter office@fischill.at entgegen.

Und ich darf Sie heute schon zu unserer JAHRESTAGUNG 2015, die am 21. März 2015 in der AUVA, Adalbert Stifterstraße 65, 1200 Wien stattfinden wird, einladen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen erholsame Feiertage und viel Elan für das kommende Jahr.

Mit herzlichen kollegialen Grüßen!

Univ.-Doz. Dr. Otto Traindl

 

 
       
 
News aus dem Verband
 
 

Schwerpunkttagung VLKÖ Die Zukunft des Krankenhauses am 25.10.2014

Bereits zum zweiten Mal durften wir zur Diskussion und zur Erarbeitung unserer zukunftsweisenden Themen, am 25. Oktober 2014 zu Gast in den Räumlichkeiten des Rehabzentrums Wien Baumgarten, sein.


Mit seinem Impulsreferat erläuterte Professor Dr. Peter Hoffmann, der vergangenes Jahr gemeinsam mit dem VLKÖ eine Umfrage bei den österreichischen leitenden KrankenhausärztInnen durchgeführt hat, erneut eine Zusammenfassung der Ergebnisse ebendieser Studie. (...)

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Sein Fazit: Trotz mancher Frustrationen bei Kolleginnen und Kollegen der leitenden Krankenhausärzte waren doch viele mit ihrer primär ärztlichen Tätigkeit zufrieden. Teils deutlich bemängelt wurde dagegen v.a. der hohe bürokratische und somit nicht-medizinische Aufwand. Hoffmann wörtlich „Ein gewisses Maß an Freiheit liegt in der Expertise des Arztes und in seiner Interaktion mit dem Patientinnen und Patienten; nicht aber in der „Linien-Hierarchie“, die er als Abteilungsleiter im Krankenhaus vorfindet“. In dieser Rolle haben die PrimarärztInnen wenig Entscheidungsspielraum und seien in der Führungshierarchie oft nur mehr Vorgesetzte einer Gruppe von Ärztinnen und Ärzten. Daraus entwickele sich ein Widerspruch zwischen den Werten des Arzt-Seins und des Führungspositionen-Innehabens.

Universitätsprofessor Dr. Harald Ofner, Vize-Studienprogrammleiter der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Wien, erläutert die rechtlichen Pflichten und Aufgaben der Primarärztinnen und Primarärzte. Die dienstrechtliche Rolle des Primars/der Primaria und seine /ihre Stellung innerhalb der betrieblichen Hierarchie sei durch die kollegiale Führung bestimmt. Diesbezüglich müsse der/die Primararzt/Ärztin daher die Vorgaben der Direktion erfüllen. Im Bereich der Patientenversorgung trägt der/die Primararzt/Primarärztin allerdings die Letztverantwortung, ohne jedoch direkten Einfluss auf den nicht ärztlichen Bereich seiner Abteilung zu haben. Die umfassende Leitung einer klinischen Abteilung im Krankenhaus müsse daher beim Arzt/ der Ärztin liegen. Wichtig ist auch, dass die Verteilung von Aufgaben, Rechten und Pflichten im Krankenhaus nicht nur definiert sondern allen eindeutig bekannt sind.

Dr. Thomas Holzgruber, Leiter der Rechtsabteilung der Ärztekammer, erläuterte die Ziele der Gesundheitsreform aus Sicht der österreichischen Ärztekammer. Er verwies auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Ländern und den Sozialversicherungen. Dr. Holzgruber zählte auf, wo die künftigen Bemühungen der Gesundheitsreform lägen:

  • ELGA
  • Primars Health Care
  • Qualitätssicherung
  • internationale Aspekte des Disease Management

Bei der Umsetzung sind allerdings auch wichtige Punkte zu beachten, dazu gehören u.a.:

  • arbeitsrechtliche Aspekte im Krankenhaus
  • Ärztemangel
  • ÄrztInnen Migration
  • Medizinische Entwicklung und Fortschritt

Dr. Holzgruber zeigte auf, dass Österreich im Vergleich zu allen anderen OECD-Ländern die meisten Ärzte und Ärztinnen ausbildet. Die Europäische Ärzte- Organisation müsste darauf achten, dass jedes Land dem Eigenbedarf entsprechend ÄrztInnen ausbildet. Er merkte an, dass die österreichischen Spitalsstrukturen und Ärztearbeitszeiten den ÄrztInnenmangel begünstigten.

Gegenstrategien wären, neben der Stärkung des Kernbereichs der ÄrztInnen in der Medizin, die Schließung einzelner Spitäler und die Vermehrung der Leistungsbringung in freiberuflichen ärztlichen Einrichtungen. Er weist auf die dringende Notwendigkeit einer Attraktivierung des beruflichen Systems hin. Da es derzeit keine neuen zusätzlichen Kassenverträge gäbe, würde es künftig mehr WahlärztInnen geben, die darüber hinaus zu den zufriedensten ÄrztInnen gehören, schloss Dr. Holzgruber. Ein Ziel der Gesundheitsreform läge in der Ökonomisierung der vorhandenen Ressourcen, vor allem auch im ärztlichen Bereich.

Die österreichische Gesundheitsreform erklärte Herr Dr. Gerald Bachinger, PatientInnen- und Pflegeanwalt für Niederösterreich in seinem Impulsreferat. Wie die Prima¨rversorgung in Zukunft organisiert werden soll, fasste er wie folgt zusammen:

Durch diese neuen PHC-Center soll der Weg für eine verbesserte Lenkung der PatientInnenströme geschaffen werden. Im Rahmen der PHC solle es zum einen telefon- und webbasierten Erstkontakt geben. Dazu gäbe es positive Bespiele aus dem Ausland, zum Beispiel aus Schweden, der Schweiz und Israel.

Zusätzlich wären auch immer wieder Bonussysteme für PatientInnen angedacht. Eine Form der Unterstützung von PatientInnen wäre künftig ein besseres Wartezeitmanagement im Spitalsbereich mit höherer Transparenz hinsichtlich der noch zu wartenden Zeit, die den PatientInnen selbst eine Entscheidung in die Hand gibt, wo er/sie sich mit ihren medizinischen Anliegen eingliedern möchte.

 

 
Ergebnisse Workshop A – Die Rolle des Primararztes/der Primarärztin

1) Gibt es Vorgaben, wie viele Dienste ein Primar/eine Primaria neben der organisatorischen Leitung noch übernehmen kann/ muss? Was ist, wenn aus Ressourcenknappheit nicht alle Dienstschichten besetzt werden können? Muss der Primar/ die Primaria für alle Ausfälle einspringen?

2) Wo genau hat sich ein Primar/eine Primaria zwischen Ökonomie/ organisatorischer Führungsfunktion und ärztlichem Alltag /medizinischem Auftrag zu positionieren?

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3) Inwiefern kann/ muss das „Weisungsrecht“ durchgesetzt werden?

4) Wie sieht rechtliche Situation bei einem Doppelprimariat aus?

5) Was wird sich zukünftig mit neuen Ausbildungsformen für den Spitalalltag ändern?

Die Diskussion der Fragen ergab folgendes:

Zu 1)

Der Betrieb kann bei extremem Personalmangel nicht mehr aufrechterhalten werden und muss eingestellt werden. Nach Rücksprache mit der Geschäftsführung, bzw. wenn eine Aufklärung jener über die prekäre Lage stattgefunden hat, liegt die Verantwortung theoretisch nicht mehr beim Primararzt/ bei der Primarärztin. Die Geschäftsführung muss allerdings für die Behebung des personellen Engpasses sorgen. Generelles Problem: Der Primar/ die Primaria hat verschiedene Rechtsmaterien zu beachten, die sich teilweise nicht vereinen lassen: Dienstrecht – Arbeitsrecht – Arbeitszeitgesetz. Dieser Rechtswiderspruch sollte grundsätzlich diskutiert werden.

Zu 2)

Wird der Primarius/ die Primaria der Zukunft nur mehr zu 20% Arzt/Ärztin, zu 80% Manager/Managerin sein?“ Diese vorherrschende Entwicklung ist von Seiten der ÄrztInnen nicht wünschenswert und sollte vermieden werden. Es ginge um „Rationalisieren aber nicht um Rationieren“. Die Primarii/ä stünden zwar zwischen Verwaltung und Medizin, eine ärztliche Empfehlung müsse aber frei von ökonomischen Aspekten sein. Die Medizin und nicht die Ökonomie sollten im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund sollte die Verwaltung eines Krankenhauses keine Entscheidungen ohne die Berücksichtigung einer medizinischen Perspektive treffen. Die PrimarärztInnen tragen die Verantwortung für die Abteilung; also darf weder deren medizinische noch deren ökonomische Entscheidungsgewalt verloren gehen. Die Rolle einer Ärztin/ eines Arztes ist auch die eines „Anwaltes für die PatientInnen“; eine Vertrauensbasis muss also gewährleistet sein. Es wird diskutiert, ob Primarii/ä sich in ihrer Führungsrolle oft überfordert fühlen, da genaue Informationen über den umfassenden Aufgabenbereich oft fehlen, bzw. generelle Regeln nicht vorhanden sind. Es sollte also regelmäßiges Angebot von Seminaren/ Weiterbildungen für medizinische Führungskräfte zum Thema Management und rechtlichen Grundlagen sowie eine Aufklärung über Pflichten und Verantwortungen von Seiten des Dienstgebers geben. Auch ist eine konkretere Ausarbeitung des Profils eines Primararztes/ einer Primarärztin gewünscht: Dazu gehört die formale Eingrenzung des Aufgabenbereichs und der Handlungsmöglichkeiten und die Einrichtung einer Anlaufstelle zur Beratung bei Fragen, Probleme oder Konflikten.

Zu 3)

Der Primararzt/ die Primarärztin trägt die volle Verantwortung für die klinische Abteilung. Daher muss er auch mit adäquater Durchsetzungsmöglichkeit ausgestattet sein. Kritisch wird es v.a. dann, wenn z.B. die Direktionsebene direkt versorgungsrelevante Anweisungen an verschiedene Subbereiche gibt, ohne die PrimarärztInnen einzubeziehen. In einem solchen Fall ist sofortige Rücksprache mit der Direktion erforderlich.

Zu 4)

Auch bei Doppel- oder Mehrfachprimariaten fällt die volle Verantwortung für jede Abteilung nicht weg. Praktisch ist ein Doppelprimariat also kaum umsetzbar. Daher sind Doppel- und Mehrfachprimariate aus Sicht der Arbeitsgruppe nicht sinnvoll.

Zu 5)

PrimarärztInnen sehen sich bei formalen Änderungen übergangen bzw. schlecht über neue Ausbildungsreform informiert. Als VerantwortungsträgerInnen müssen sie ausreichend darüber aufgeklärt werden, was sich zukünftig ändern wird, um besser planen zu können. Die Ausbildung beeinflusst nämlich den Spitalalltag maßgeblich, da z.B. TurnusärztInnen und KPJlerInnen als wichtige Arbeitskräfte fungieren. Sollten TurnusärztInnen aufgrund von Änderungen in der Lehrstruktur wegfallen, wird es zu weiteren personellen Engpässen kommen.

 

 
Ergebnisse Workshop B – Gesundheitsplan – „Was bedeutet die Gesundheitsreform für die Krankenhäuser“

Die Prozesse der Gesundheitsreform sind derzeit noch am Fortschreiten, deswegen noch nicht abgeschlossen. Übergeordnete Punkte lassen sich folgendermaßen darstellen:

ELGA soll 2015 in die Krankenhäuser kommen.

Telefon- und Webbasierter Erstkontakt- & Beratung (TEWEB) könnten in der Tat eine positive Patientenstromlenkung und Unterstützung sein; das ersetzt nicht die Notfallmedizin, sondern entlastet diese. (...)

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PHC soll als Pilot in zwei Bundesländern 2015 eingeführt werden: Wien und NÖ. Offen ist noch, ob die Beratungsstelle intra- oder extramural sein soll.

Es gibt bereits erste Erfahrungen aus PHC-Einrichtungen.

Die Finanzierung muss nach dem Motto „Geld folgt Leistung“ erfolgen.

Ein entsprechendes Wartezeitmodell in Form von zeitlichen Anzeigetafeln außerhalb der Notfallversorgung wurde begrüßt. Dieses soll zur Orientierung der wartenden PatientInnen positiv beitragen.

Das neue System hat Risiken und Chancen (Ärztemangel, KAZG, Haftungsfragen, Einsparungspotential).

Ob dies alles auch Maßnahmen sind, die junge ÄrztInnen in Österreichs Spitälern wieder vermehrt ansprechen, kann nicht beantwortet werden.

Die Chancen und Risiken der österreichischen Gesundheitsreform aus der Sicht des VLKÖ liegen somit in folgenden Punkten:

Das Krankenhaus braucht vermehrt Ressourcen und genügend ÄrztInnen, um den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten und die neuen ÄrztInnenarbeitszeiten einhalten zu können. Um den Mangel an Ärztinnen beheben zu können, ist auch die Ausbildungsreform wesentlich, um die Ausbildung in Österreich attraktiv zu machen. Diese Reform muss auch praktikabel sein und umsetzbar sein. Dazu gehört auch, dass ausreichende Ärzte in den österreichischen Krankenhäusern tätig sind, um neben der PatientInnenversorgung auch eine gute Ausbildung möglich zu machen.

Aus diesem Grund fordert der VLKÖ erneut eine Task Force einzusetzen, welche unverzüglich Gegenmaßnahmen zum derzeitigen ÄrztInnenmangel ausarbeitet: Maßnahmen zur Attraktivierung des ÄrztInnenberufs und der Ausbildung sollten als Strategie gegen die Abwanderung von ÄrztInnen ins Ausland getroffen werden. Neben der Einhaltung der Arbeitszeiten wird dazu eine Anpassung der Löhne für ÄrztInnen nötig sein und die Auslagerung von nicht-ärztlichen Tätigkeiten vorgenommen werden.

Im Mittelpunkt des Krankenhauses müssen immer die Medizin und die PatientInnenversorgung stehen. PrimarärztInnen müssen mit adäquater Verantwortung und Weisungsrecht ausgestattet werden, um ihre Aufgaben verantwortungsvoll übernehmen und ausführen zu können. Doppel- und Mehrfachprimariate sind aus Einsparungsgründen abzulehnen. Die Gesundheitsreform muss das Krankenhaus entlasten. Doppelgleisige Maßnahmen in der intra- und extramuralen Versorgung sind zu vermeiden. Es sollte vielmehr zu einer stufenweisen Versorgung der PatientInnen kommen.

Eine enge Kooperation des Krankenhauses mit niedergelassenen ÄrztInnen ist nötig, weswegen die Umsetzung des PH-Centers grundsätzlich vom VLKÖ begrüßt wird. Eine Finanzierung kann nur auf dem Prinzip „nach Geld folgt Leistung“ erfolgen.

 

 
 
Dr. Harald Mayer – 2. Vizepräsident

der Österreichischen Ärztekammer
 
         
  Dr. Harald Mayer   Wie kann die Zukunft der SpitalsärztInnen in Österreich aussehen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die „Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025“ – Tagung der Österreichischen Ärztekammer, welche am 29. Oktober in der Mumok-Lounge in Wien stattfand.

Namhafte heimische und internationale Expertinnen und Experten diskutierten zu diversen Themen und beschäftigten sich mit Fragen rund um Trends und Entwicklungen des (österreichischen) Gesundheitswesens. Fragen nach dem Spannungsverhältnis von Berufsethik und Ökonomie oder nach Entwicklungen des Leistungsangebotes von österreichischen Spitälern standen zur Diskussion, genauso wie Überlegungen zur Verbesserung der Kooperationen innerhalb des Gesundheitswesens. (...)

 
 
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Dr. Mayer von der Österreichischen Ärztekammer fasst zusammen:

Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 – Die Zukunft der österreichischen Spitäler
In einem intensiven Arbeitsprozess hat sich die Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) mit der Zukunft der Spitalsärzteschaft auseinandergesetzt. Das Konzept legt den Schwerpunkt auf neue Organisations- und Kooperationsstrukturen, die sowohl Patienten als auch Ärzten Vorteile bringen und die regionale Versorgung langfristig sichern sollen. Zusätzlich wurden Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erarbeitet. Am Mittwoch wurde das Konzept im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Ausgangssituation:
Das von uns entwickelte Modell soll dazu beitragen, bestehende Mängel zu beheben“, erklärte Kurienobmann und ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer den Hintergrund. Zahlreiche Fehlentwicklungen im stationären Sektor würden sich langfristig auf die Versorgungsqualität auswirken, aber auch die Ärzteschaft zunehmend belasten. Der Umstand, dass unattraktive Arbeitsbedingungen immer mehr junge Ärztinnen und Ärzte ins Ausland trieben, sei ein Warnsignal, das man ernst nehmen müsse, betont Mayer. Das Konzept „Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025“ soll die bestehenden Problemfelder wie überlaufende Ambulanzen, enorme Arbeitsbelastung, Turnus, Feminisierung der Medizin oder mangelnde Work-Life-Balance nicht nur in Angriff nehmen, sondern beheben. Mayer: „Wir wollen konstruktive Vorschläge anbieten. Wir haben gemeinsam brauchbare Ideen erarbeitet, die sich mit etwas gutem Willen durchaus umsetzen ließen.“

Die Lösungsansätze:
Zentral ist eine Neuregelung des Zugangs zum Spital, die einerseits die Ambulanzen entlasten und andererseits die Patientenströme besser koordinieren soll. Demnach sollen Patientinnen und Patienten nur noch mit Zuweisung ins Spital kommen. „Wir stellen uns das so vor: Zuweisungen werden nur noch von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen – Allgemeinmedizin wie Fachärzteschaft – vorgenommen. Zusätzlich soll das ärztliche Personal in Pflegeheimen zuweisen können, ebenso die ärztlichen Gruppenpraxen bzw. Ordinationszentren“, erläuterte Mayer. Über die Rettung sei außerdem eine Notfalleinweisung möglich. Der derzeit gängigen Selbstzuweisung durch die Patientinnen und Patienten werde mit diesem System ein Riegel vorgeschoben. Mayer: „Die Maßnahme entlastet die Ambulanzen und sorgt für mehr Struktur.“

Auch das Leistungsangebot in den Regionen soll dem Konzept zufolge neu strukturiert werden:

  • Einzelordination
  • Ärztliche Gruppenpraxis bzw. Ordinationszentrum mit fixen Öffnungszeiten und 24-Stunden-Rufbereitschaft
  • Stationäre Betteneinheiten mit ambulanter fachärztlicher Betreuung
  • Regional-Krankenhaus mit 24-Stunden-Teilbesetzung und Rufbereitschaft
  • Leit-Krankenhaus mit 24-Stunden-Vollbesetzung

Diese Einheiten speisen sich mit Ausnahme der Einzelordination aus einem Fachärztinnen/-ärzte-Pool, der für die gesamte Region zuständig ist. „Die Mitglieder dieses Pools werden folglich auch pendeln müssen“, führte Mayer aus.

Zusammensetzten solle sich dieser Pool sowohl aus niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie aus Spitalsärztinnen und -ärzten. Zu hinterfragen sei auch die Definition des Begriffs „Region“, erklärte der Kurienobmann weiter. „Wir sind der Meinung, dass eine Region nicht notwendigerweise bei der Bundeländergrenze endet“, so Mayer.

Der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) sehe derzeit 32 Versorgungsregionen vor, ohne dass dabei die Ländergrenzen überschritten würden, obwohl das mitunter durchaus sinnvoll sein könne. Neu regeln würde die Bundeskurie außerdem die Führungsfrage: Die Leitungsposition soll demnach nur ein Arzt oder eine Ärztin übernehmen können. Die kollegiale Führung, bestehend aus ärztlichem Direktor, Verwaltungsdirektor und der Leitung des Pflegedienstes, würde damit der Vergangenheit angehören.

Bessere Arbeitsbedingungen:
Das Konzept beinhalte auch Ideen zur Neugestaltung der Arbeitsbedingungen, führte der ÖAK-Vize weiter aus. Dazu gehöre eine Reduktion der Arbeitszeiten, „was im Rahmen der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie ohnehin passieren muss“, so Mayer. Neu sei der Ansatz, bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen die individuellen Lebensphasen und die damit verknüpften spezifischen Bedürfnisse der Spitalsärzteschaft zu berücksichtigen. Mayer: „Ein junger Turnusarzt hat andere Ansprüche und Erwartungen an seinen Beruf als ein über 50-jähriger Oberarzt.“. Entscheidend werde sein, dass verschiedene Arbeitszeitmodelle geschaffen würden, zwischen denen die Ärzteschaft frei wählen könne. „Rund ein Drittel aller Turnusärzte sind bereits Frauen. Wir können von den Kolleginnen nicht erwarten, dass sie sich zwischen Karriere und Familie entscheiden, sondern wir müssen Modelle schaffen, die ihnen beides ermöglichen – übrigens auch den Männern“, erklärte Mayer.

Unterm Strich solle der Arbeitsplatz Krankenhaus wieder attraktiver werden. Dazu gehörten auch Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten sich wiederum an den Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte orientieren sollten. Zusätzlich müsse es für alle ärztlichen Gruppen die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit forderte Mayer. Selbstverständlich müsste auch die lang geforderte flächendeckende Umsetzung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils erfolgen und auch die von der Bundeskurie vorgeschlagenen Administrationsassistenten sollten endlich installiert werden.

Mayer: „Die Tätigkeitsfeldet müssen neu und vor allem klar geregelt werden. Es muss wieder möglich sein, Aufgaben an den Pflegedienst zu delegieren, und es muss wieder möglich sein, dass ältere Ärzte ihre Ausbildungspflicht wahrnehmen anstatt in Administration zu ersticken.“

Neue Karrieremodelle:
Schließlich müssten auch die Karrieremodelle für Spitalsärztinnen und -ärzte reformiert werden, erklärte Mayer. „Derzeit sieht die durchschnittliche Berufslaufbahn nach Abschluss des Studiums in etwa so aus: Turnus und/oder Facharztausbildung, anschließend Assistenzzeit; mit etwa 36 bis 38 Jahren wird man schließlich Oberarzt. Die meisten bleiben bis zum 65. Lebensjahr in dieser Position“, so der Kurienobmann.

Das sei für die Kolleginnen und Kollegen auf Dauer frustrierend. Vor allem für Oberärztinnen und -ärzte in der Mitte ihres Berufslebens, also etwa um das 45. Lebensjahr, müssten neue berufliche Perspektiven geschaffen und angeboten werden. Vorstellbar seien etwa neue Positionen als Leiter und/oder Mitglied eines Expertenteams mit autonomen Gestaltungmöglichkeiten in den Bereichen Budget und Personal, führte Mayer aus.

Daten und Fakten

Die Diagnose:

  • Ambulanzen sind überlaufen; jährlich werden rund 16 Millionen Ambulanzbesuche verzeichnet – statistisch gesehen sucht jeder Österreicher zweimal pro Jahr eine Spitalsambulanz auf.
  • Personalmangel durch Abwanderung des medizinischen Nachwuchses und drohende Pensionierungswelle
  • Kaum durchgehende Karrieren, mangelnde berufliche Perspektiven
  • Überlange Arbeitszeiten, die zudem nicht den individuellen Bedürfnissen angepasst sind
  • Schwächen im Bereich der kollegialen Führung
  • Überbordende Administration und Dokumentation
  • Unzureichende Delegation von pflegerischen Tätigkeiten an Pflegepersonal Feminisierung der Medizin – rund zwei Drittel der Turnusärzte sind bereits Frauen

Die Therapie:

  • Spitalsambulanzen sind nur noch über Zuweisung zugänglich, ausgenommen Notfalleinweisungen
  • Attraktivere Arbeitsbedingungen und Karrieremodelle können junge Ärztinnen und Ärzte im Land und damit im Spital halten
  • Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie sowie Schaffung flexibler Arbeitszeitmodelle
  • Anpassung der Arbeitsbedingungen an die jeweilige Lebenssituation
  • Führungsverantwortung liegt ausschließlich in ärztlicher Hand
  • Administrationsassistenten entlasten Ärztinnen und Ärzte
  • Umsetzung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils
  • Delegation von pflegerischen Tätigkeiten
  • Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten



Künftiger Spitalszugang

Künftiger Spitalszugang

 

Künftige Zusammenarbeitsformen

Künftige Zusammenarbeitsformen

 

 
   
 
Turnusärzte:

„Befriedigend“ ist für uns unbefriedigend!
 
 
Das Endergebnis der Turnusärzteevaluierung ist besser, als die Zwischenberichte erwarten ließen, von einem „Sehr gut“ aber noch weit entfernt. Den Primarärzten wird großes Engagement bestätigt.

Rund die Hälfte der 9.000 eingeladenen Turnusärztinnen und -ärzte hat sich an der ersten landesweiten Turnusevaluierung beteiligt, Spitalsabteilungen bewertet, die Qualität der Ausbildung sowie den eigenen Lernerfolg beurteilt. Die hohe Beteiligung macht den Turnusärztesprecher der Österreichischen Ärztekammer und stellvertretenden Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte Dr. Karlheinz Kornhäusl nicht nur „stolz, sondern gibt den Ergebnissen auch entsprechende Repräsentativität und Gewicht.“ (...)

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Seit der ersten Zwischenbilanz Ende 2012 hat sich die österreichweite Durchschnittsnote über alle Abteilungen hinweg von 2,79 auf 2,72 (nach dem Schulnotensystem) leicht verbessert. Für Kornhäusl ist das ein Hinweis darauf, dass schon die Evaluierung selbst in den Abteilungen „langsam, aber sicher zu Veränderungen führt. Manche Abteilungen wurden im letzten Projektjahr besser beurteilt als noch zu Beginn der Evaluierung. Bei 34 Abteilungen konnten wir signifikante Verbesserungen verzeichnen. Das ist ein schöner Erfolg, der sich eindeutig auf die regelmäßige Bewertung der Abteilungen zurückführen lässt.“

Auf der anderen Seite könne man sich als Standesvertreter mit diesem insgesamt durchschnittlichen Ergebnis nicht zufriedengeben, betont Kornhäusl. „2,72 – das ergibt gerundet ein glattes ‚Befriedigend‘, das kann für uns nur unbefriedigend sein. Unser Ziel muss ein ‚Sehr gut‘ sein.“

Schlüsselt man das Ergebnis der Evaluierung nach Fachabteilungen auf, zeigt sich folgendes Bild: Die Abteilungen Psychiatrie, Kinder- und Jugendheilkunde sowie Anästhesie (Durchschnittsnote 2,11) werden am besten, Chirurgie, Gynäkologie und Nuklearmedizin am schlechtesten bewertet. Bei den Letztgenannten sind allerdings die schwierigen Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen, welche die fachliche Ebene zum Teil überlagern.

Den Primarärztinnen und -ärzten wird ein insgesamt gutes Zeugnis ausgestellt, deren Engagement und Bemühen positiv herausgestrichen. Erschwert würde deren Engagement allerdings durch Systemschwächen und klinischen Rahmenbedingungen.

Zitat:

„Zentrales Erfolgskriterium jeder Turnusausbildung ist Bedside Teaching. Jene Abteilungen, die Bedside Teaching praktizieren, schneiden in der Bewertung besser ab. Allerdings geben über 80 Prozent der Befragten an, nie und nur selten diese wichtige praktische Erfahrungen sammeln zu können, die sie für ihre spätere berufliche Laufbahn benötigen.“

Dr. Karlheinz Kornhäusl, Stellvertretenden Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Turnusärztesprecher der ÖÄK

 

 
 

Blog

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

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„Qualität in der Medizin hat seinen Preis“
 
Univ.-Prof. Dr. Franz Kainberger, Präsident der Gesellschaft für Ärzte
 
         
  Univ.-Prof. Dr. Franz Kainberger   Vor einiger Zeit wurden zwei junge österreichische Ärzte, welche im Ausland arbeiten, aufgrund ihrer exzellenten Leistungen eingeladen, in Wien eine Stelle anzunehmen. Sie haben abgelehnt mit der Begründung, dass, wenn man in Wien im Supermarkt einkauft, die gleichen Produkte teurer seien. Dort, wo sie jetzt sind, besteht Zugang zu neuesten Medizinprodukten; dass in Wiens Spitälern i Gegenzug veraltete Geräte stehen, konnten sie bereits in der Zeitung lesen. Und: sie würden 800 Euro pro Monat weniger verdienen, und das auch nur sofern sie das niedrige Grundgehalt durch viele Nachtdienste aufbessern. Wobei es für sie nur eine Frage der Zeit wäre, bis auch diese Möglichkeit gekappt wird. Das Arbeitsärztezeitgesetz, steht genau auch diesem Punkt, da es für die meisten Betroffenen mit einem weiteren deutlichen Einkommensverlust verbunden sein wird. (...)
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Nun werden Streiks angemeldet und Protestresolutionen verabschiedet. Es scheint – um in der medizinischen Diktion zu bleiben – als sei ein Abszess nicht rechtzeitig drainiert, sondern perforiert worden. Eitriger Geruch steigt in die Nase. Bevor überhaupt an Therapiebeginn gedacht werden kann, muss einmal die bittere Wahrheit ausgesprochen werden: Betrachtet man die hohen Lebenshaltungskosten, liegt Österreich bei den Ärztegehältern europaweit nicht nur am unteren Ende, sondern ist weit abgeschlagen.

Die Differenz zwischen Ist und Soll beträgt über 50%. Die Zahl klingt dystopisch hoch, doch sie veranschaulicht wieviel die österreichische Gesundheitspolitik in den letzten 20 Jahren verabsäumt hat. Insider wissen, dass ein Arzt heute etwa die Hälfte eines Kollegen von damals verdient.

Dass die Qualität medizinischer Versorgung damit zusammenhängt, wird nur ungern gehört. Nach A. Donabedians Modell hängt die Qualität eines Ergebnisses direkt davon ab, wie gut die Strukturen und die Prozesse dahinter sind. Folglich schlägt es sich in unserem als marod bezeichneten Gesundheitssystem nieder, wenn die wichtigsten Leistungsträger schlecht bezahlt werden.

Ein einfacher Ansatz, dies zu verbessern, wäre die gezielte Förderung spezialisierter Angebote und exzellenter Leistungen auf Basis objektiver Ausschreibungen anstatt eines lauwarmen Geldregens, der über alles niedergeht. Fokussierte Förderungen, das zeigen weltweit die Erfahrungen aus der Forschung, können ein großer Motivationsschub sein. Die Idee ist nicht neu und man sieht, auch wenn sie nur ansatzweise realisiert wurde: Das medizinische Angebot ist bereits nach kurzer Zeit klarer definiert mit nachhaltigen Schwerpunktsetzungen, sinnvoller Vernetzung, positiver Imagebildung und daher auch interessanten Angeboten für Emigrationswillige.

Vor allem könnte ein solches Finanzierungsmodell auf bestehenden, vom Prinzip oft nicht so schlechten Strukturen, aufbauen. In der Aus- und Fortbildung entwickelt sich vieles zum Positiven (auch deshalb sind unsere Ärzte im Ausland gefragt). Um manche hier angebotene internationale Kurse oder Observerships reißen sich ausländische Kollegen. Oder: Seit kurzem absolvieren Studierende der Medizin ihr letztes Ausbildungsjahr zur Gänze in Lehrkrankenhäusern und Lehrpraxen, die mit den sich öffnenden Medizinuniversitäten Verträge abgeschlossen haben. Die daraus resultierenden Möglichkeiten, Innovationen direkt bis in den letzten Winkel unseres Landes zu tragen, wurden noch nicht einmal in Ansätzen genutzt.

Bereits heute sind einige unserer medizinischen Einrichtungen beliebte Anlaufstelle für ausländische Patienten. Das Management der Spitäler wird immer effizienter, die ambulante Medizin kann viele Leistungen aus dem stationären Bereich übernehmen. Und die medizinische Forschung bietet bei uns interessante Möglichkeiten, wenngleich oft nur theoretisch auf dem Papier.

Qualität hat nun einmal ihren Preis. Qualität zu fordern ist übrigens auch ein medizinethisches Gebot. Die Prognose eines perforierten Abszesses hängt von der Therapie ab: rasche chirurgische Sanierung in Form gezielter und höherer Investitionen oder langes Siechtum. Die österreichische Gesundheitspolitik entscheidet sich für den zweiten Weg, indem eine EU-Richtlinie aus 2004 vierzehn Jahre lang mit Übergangsfristen bis 2021 zögerlich-schrittweise umgesetzt wird.

 

 
       
 
Primarärzte im Dialog
 
         
  Prim. Doz. Dr. Burkhard Leeb  

Interview Prim. Leeb im VKLÖ „Medizin im Dialog“

Nichtsteroidale Antirheumatika in der Schmerztherapie bei Rheumapatienten

Interview mit Primarius Priv. Doz. Dr. Burkhard F. Leeb über Wirkungen und mögliche unerwünschte Wirkungen, die Unterschiede einzelner Substanzen, den richtigen klinischen Einsatz und absolute Don´ts bei der Anwendung einer unverzichtbaren Medikamentengruppe. (...)

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Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, im Englischen: Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs – NSAIDs) sind eine – nicht nur in der Rheumatologie – weit verbreitete, in der Schmerztherapie unabdingbare Medikamentengruppe. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit einer großen Anzahl an Patienten weltweit und ihrer außer Frage stehenden Notwendigkeit, gerät die Gruppe immer wieder in Diskussion; Kontroversen werden meist durch die Beschreibung möglicher Risiken, etwa kardiovaskulären Risiken von sowohl der sogenannten COX-2-Hemmer als auch der unselektiven NSAR, ausgelöst. Ein Konsens hinsichtlich der Anwendung und des Risikos von NSAR – nicht nur kardiovaskulär, sondern zum Beispiel auch gastrointestinal und renal – existierte in Österreich, wie auch in vielen anderen Staaten, lange Zeit nicht.

Da NSAR hochwirksame, daher aber auch mit möglichen Risken behaftete Medikamente sind, haben medizinische Expertengruppen in den vergangenen Jahren versucht, sowohl internationale als auch – davon abgeleitet – nationale Empfehlungen zu erarbeiten, die den verantwortungsvollen Umgang mit NSAR aufzeigen, die Anwendung dieser für die Patienten so wichtigen Medikamente erleichtern und damit die Therapiesicherheit erhöhen sollen. Diese Empfehlungen gehen im Detail auf Wirkungen und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der einzelnen Medikamenten-Untergruppen ein. Sie formulieren auch besondere Vorsichtsmaßnahmen für den Einsatz von NSAR bei älteren, multimorbiden Patienten.

Prim. Doz. Dr. Burkhard Leeb Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung Landesklinikum Weinviertel Stockerau, NÖ Kompetenzzentrum für Rheumatologie, hat an der Erarbeitung der Empfehlungen federführend mitgearbeitet.

Herr Primar Leeb, wo stehen Rheumatologen im Krankenhaus heute beim Einsatz Nichtsteroidaler Medikamente in der Schmerztherapie bei Rheumapatienten?

Leeb: Worüber heute unter internationalen Rheumatologen absoluter Konsens herrscht, ist die Überzeugung, dass NSAR zur Schmerzbekämpfung und Entzündungshemmung ein unverzichtbarer Bestandteil in der Therapie schmerzhafter Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates sind. So wurde heuer gezeigt, dass Langzeit-Einnahme von NSAR bei Kniearthrose minimal klinische Effekte auf Steifheit, Funktion und Struktur hätte.1

Die seit vielen Jahren in breiter Verwendung stehende Medikamentengruppe wird kontinuierlich mit dem Bestreben weiterentwickelt, ihre Verträglichkeit weiter zu verbessern – mit Erfolg: So konnte etwa das Risiko von schwerwiegenden Nebenwirkungen am oberen Gastrointestinaltrakt unter diesen Medikamenten in den letzten zwanzig Jahren um beachtliche zwei Drittel gesenkt werden.2

Wie setzt man Nichtsteroidale Medikamente im klinischen Umfeld gut und wirkungsvoll bei den verschiedenen Erkrankungen ein?

Leeb: Die Gruppe der NSAR setzt sich aus chemisch sehr unterschiedlichen Substanzen zusammen, mit zum Teil sehr stark variierenden Halbwertszeiten von 0,25 bis zu über 70 Stunden, unterschiedlicher Eiweißbindung im Blut, unterschiedlichem Ausmaß der COX-1- und COX-2-Hemmung, unterschiedlicher Metabolisierung in der Leber bzw. anschließendem enterohepatischen Kreislauf, unterschiedlicher Ausscheidung der Metaboliten durch die Niere.3 Die Auswahl des geeigneten NSAR für den individuellen Therapieeinsatz hängt in erster Linie von den bestehenden Begleiterkrankungen ab. Besonders bei alten, multimorbiden Patienten erfordert der Einsatz von NSAR daher nicht nur besondere Vorsichtsmaßnahmen, sondern setzt auch entsprechende Kenntnisse der behandelnden Ärzte über Zusammensetzung und Risikopotenzial der einzelnen Medikamente voraus.

Falls sich bei einem bereits verabreichten NSAR eine unzureichende Wirksamkeit bzw. eine Unverträglichkeit herausstellt, ist ein Wechsel auf ein Präparat aus einer chemisch anderen NSAR-Gruppe – acht gibt es davon – klinisch durchaus üblich und führt auch in vielen Fällen zum gewünschten Ergebnis. Es liegen auch einige randomisierte klinische Studien vor, die Erfolge bei einem Wechsel innerhalb einer chemischen Substanzgruppe nachweisen.4 Wesentlich erscheint mir aber auch, dass Medikamente, mit denen wir schon jahrelang in der Rheumatologie behandeln, weiter ihren Stellenwert haben. Diclofenac ist dabei ein gutes Beispiel, das ein positives Nutzen/Risikoprofil aufweist.

Worauf müssen Ärzte beim Einsatz Nichtsteroidaler Medikamente besonders achten?

Leeb: NSAR sollten immer in der niedrigsten wirksamen Dosis über die geringste nötige Zeit verabreicht werden. Unerwünschte Nebenwirkungen werden bei rund 5 Prozent der Patienten unter NSAR beobachtet und betreffen vorwiegend Störungen im oberen5 und unteren Gastrointestinaltrakt6, Störungen der Nierenfunktion7, kardiale Insuffizienz, Ödemneigung und Blutdruckanstieg8, Störungen der Leberfunktion9 und der Hämopoese10 sowie allergische Reaktionen11.

Allgemeine Risikofaktoren sind ein Lebensalter über 60 Jahre, höhere NSAR-Dosen, die Anamnese von Magenblutungen/Ulzerationen, die gleichzeitige Einnahme von Kortikosteroiden, Acetylsalizylsäure oder auch Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Antikoagulation und kardiovaskuläre Erkrankungen. Außerdem sollten Nikotin- und Alkoholabusus12 ebenso beachtet werden wie mögliche Interaktionen im Therapieverlauf von NSAR mit anderen Medikamenten13. Bei erhöhtem renalen Risiko – etwa durch Niereninsuffizienz, hohes Alter, Salz- und Volumenmangel, Leberzirrhose oder Herzinsuffizienz – sollten NSAR nur bei absoluter Notwendigkeit, zeitlich begrenzt, in niedrigst notwendiger Dosis, (Evidenzstufe III14) verwendet werden – und dann prinzipiell nur aus der NSAR-Gruppe mit einer kurzen Halbwertszeit.

Gibt es zusammenfassend echte Don’ts beim Einsatz Nichtsteroidaler Medikamente?

Leeb: Die Gabe von zwei unterschiedlichen NSAR gleichzeitig sollte unbedingt unterlassen werden, weil dadurch eher unerwünschte Nebenwirkungen als therapeutische Vorteile zu erwarten sind15. Kontroversiell diskutiert wird, ob das kardiovaskuläre Risiko bei der Gruppe der Coxibe – COX-2-selektive Substanzen – höher ist als bei nichtselektiven NSAR, ein erhöhtes relatives kardiovaskuläres Risiko erscheint bei eigentlich allen NSAR gegeben. So fand eine dänische Studie rezent, dass vorhergehende Anwendung von COX-2 Inhibitoren im Gegensatz zu nichtselektiven NSAIDS die 30 Tage Mortalität nach ischämischem, nicht hämorrhagischem, Insult erhöht16.

Eine rezente Meta-Analyse zeigt, dass das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse unter zugelassenen Dosen von NSAR stark variiert und mit hoher Wahrscheinlichkeit substanzabhängig ist17. Um diese Frage einer weiteren Klärung zuführen zu können, wären unbedingt weitere Endpunkt-Studien erforderlich. Laut europäischer Zulassung sind Coxibe unter anderem bei Herzinsuffizienz (NYHA II– IV), bei Hypertonie, klinisch gesicherte koronare Herzkrankheit, peripherer arterielle Verschlusskrankheit und/oder zerebrovaskulären Erkrankungen kontraindiziert.

Mit freundlicher Unterstützung von Novartis Pharma GmbH, 1020 Wien, Stella-Klein-Löw-Weg 17, Datum der Erstellung: 12/2014, AT1412273090

(1) Lapane KL, Yang S, Driban JB, Liu SH, Dubé CE, McAlindon TE, Eaton CB: Effects of prescription non-steroidal anti-inflammatory agents on symptoms and disease progression among patients with knee osteoarthritis. Arthritis Rheumatol. 2014 Nov 4. doi: 10.1002/art.38933. [Epub ahead of print]

(2) Fries JF, Murthag KN, Bennett M et al. The rise and decline of nonsteroidal anti-inflammatory drug-associated gastropathy in rheumatoid arthritis. Arthritis Rheum 2004; 50 (8): 2433-2440

(3) Davis NM, Skjodt NM. Coosing the right nonsteroidal anti-inflammatory drug fort he right patient: a pharmacokinetic approach. Clin Pharmacokinet 2000; 38 (5): 377-392

(4) Huskisson EC, Woolf DL, Balme HW et al. Four new anti-inflammatory drugs: responses and variations. Br Med J 1976; 1 (6017): 1048-1049

(5) Garcia Rodriguez LA, Jick H. Risk of upper gastrointestinal bleeding and perforation associated with individual non-steroidal anti-inflammatory drugs. Lancet 1994; 343 (8900): 769-772

(6) Bjarnason I, Hayllar J, MacPherson AJ et al. Side effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs on the small and large intestine in humans. Gastroenterology 1993; 104: 1832-1847

(7) Huerta C, Castellsague J, Vara-Lorenzo C et al. Non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of ARF in the general population. Am J Kidney Dis 2005; 45 (3):531-539

(8) Whelton A. Nephrotoxicity of non-steroidal anti-inflammatory drugs: physiologic foundations and clinical implications. Am J Med 1999; 106 (5B): 13S-24S

(9) O’Connor N, Dargan PI, Jones AI, Hepatocellular damage from non-steroidal anti-inflammatory drugs. QJM 2003; 96 (11): 787-791

(10) Strom BL, Carson JL, Schinnar R et al. Non-steroidal anti-inflammatory drugs and neutropenia. Arch Intern Med 1993; 153 (18): 2119-2124

(11) Pedersen-Bjergaard U, Andersen M, Hansen PB. Drug-induced thrombocytopenia: clinical data on 309 cases and the effect of corticosteroid therapy. Eur J Clin Pharmacol 1997; 52 (3): 183-189

(12) Gabriel SE, Jaakkimainen L, Bombardier C. Risk for serious gastrointestinal complications related to use of non-steroidal anti-inflammatory drugs. A meta-analysis. Ann Intern Med 1991; 115 (10): 787-796 und Wolfe MM, Lichtenstein DR, Singh G. Gastrointestinal toxicity of non-steroidal anti-inflammatory drugs. N Engl J Med 1999; 340 (24): 1888-1899

(13) Wolfe MM, Lichtenstein DR, Singh G. Gastrointestinal toxicity of non-steroidal anti-inflammatory drugs. N Engl J Med 1999; 340 (24): 1888-1899

(14) Tannenbaum H, Davis P, Russell AS et al. An evidence-based approach to prescribing NSARs in musculoskeletal disease: a Canadian consensus. Canadian NSAR Consensus Participants. CMAJ 1996; 155 (1): 77-88

(15) Clinard F, Sgro C, Bardou M et al. Association between concomitant use of several systemic NSARs and an excess risk of adverse drug reaction. A case/non-case study from the French Pharmacovigilance system database. Eur J Clin Pharmacol 2004; 60 (4): 279-283. Epub 22.4.2004

(16) Schmidt M, Hováth-Puhó E, Christiansen CF, Petersen KL, Bøtker HE, Sørensen HT. Preadmission use of nonaspirin nonsteroidal anti-inflammatory drugs and 30-day stroke mortality.Neurology. 2014 Nov 25;83(22):2013-22. doi: 10.1212/WNL.0000000000001024. Epub 2014 Nov 5.

(17) Fabule J, Adebajo A: Comparative evaluation of cardiovascular outcomes in patientswith osteoarthritis and rheumatoid arthritis on recommended doses of nonsteroidal anti-inflammatory drugs. Ther Adv Musculoskelet Dis. 2014 Aug;6(4):111-30. doi: 10.1177/1759720X14541668.

 
 
 

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