VLKÖ - Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs

 

 Mitglied werden 
 Mitglieder-Login 
 
 
VLKÖ
VERBAND DER LEITENDEN KRANKENHAUSÄRZTE ÖSTERREICHS
 
NEWSLETTER 1/2016
 
 
 
Newsletter im Überblick
 
 
Vorwort des Präsidenten
Zwei Fragen an Rudolf Knapp und Rupert Koller
Die Haftpflichtversicherung – Gedanken zur Verjährung von Ansprüchen
Dr. Ines Vancata im Interview
Generation Y: Querdenker oder Quengler?
Zusammenfassung der VLKÖ-Schwerpunkttagung vom 21. November 2015
„Waste to energy“ – die „Initiative Sicherheit im OP“ informiert
Vermischtes
Termine und Veranstaltungen
 
 
Vorwort des Präsidenten
 
         
  Prim.Univ.Doz.Dr. Otto Traindl   Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen!
Wir leben in stürmischen Zeiten. Nicht nur was die Arbeitszeiten für Krankenhausärzte, (…)
Weiterlesen

die Umsetzung der Ausbildungsreform oder die Situation um die ungeleiteten Patientenströme betrifft. Zusätzlich nehmen in Österreich nun auch die Strafanzeigen besonders gegen Krankenhausärzte zu.

Denn gemäß Rechtsgrundlage § 1313a ABGB haftet der leitende Arzt auch für sein Team: „Wer einem andern zu einer Leistung verpflichtet ist, haftet ihm für das Verschulden seines gesetzlichen Vertreters sowie der Personen, deren er sich zur Erfüllung bedient, wie für sein eigenes.“ Die Haftungsfrage wird nun besonders augenfällig bei der in der modernen Medizin vorherrschenden Arbeitsteilung. Hier gilt der Vertrauensgrundsatz, also das Aufeinander-Verlassen-Können.

All das hat uns vom VLKÖ bewogen, die kommende Jahrestagung zum Anlass zu nehmen, sich mit den – auch rechtlichen – Aufgaben und Pflichten der leitenden Krankenhausärzte Österreichs intensiv auseinanderzusetzen, zu der ich Sie alle herzlich einladen möchte.

Für unsere heurige Jahrestagung, die am Samstag, den 21. Mai 2016, stattfinden wird, haben wir also den Titel „Primaria/Primarius heute: noch ein attraktiver Job?“ gewählt. Dabei wollen wir die medizinischen und strukturellen Abläufe der leitenden Krankenhausärzte bewerten und neue Wege gehen. Im Namen des gesamten Vorstandes des VLKÖ darf ich Sie alle dazu einladen sich einzubringen und mitzudiskutieren.

Viele herzliche Grüße und viel Spaß beim Lesen des ersten Newsletters 2016!

Prim. Univ.Doz. Dr. Otto Traindl

Programm VLKÖ Jahrestagung 2016

Beitrittserklärung zum Verband der Leitenden Krankenhausärzte Österreichs

 
       
   
  Zwei Fragen an…
     
  Wir haben namhafte Primarärzte in Österreich nach ihrer Meinung zum herrschenden Ärztemangel gefragt. (…)
Weiterlesen
Diskutieren Sie mit uns!
Senden Sie Ihre Stellungnahme zum Thema an britta@fischill.at. Wir freuen uns, Ihre Meinung zu hören!
         
  Prim. Doz. Dr. Rudolf Knapp   Zwei Fragen an
Prim. Doz. Dr. Rudolf Knapp
 
Spüren Sie in ihrem beruflichen Klinikalltag den Ärztemangel?
Der Ärztemangel ist vor allem deshalb so spürbar, weil er mit der Scharfstellung des KAZG (Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz) zusammenfällt. So sind viele Abteilungen in Österreich nur schwer in der Lage, auf zwei so tiefgreifende Umstellungen in der Administration kurzfristig zu reagieren.
 

Erschwerend kommt hinzu, dass sich seit Jahren eine Reform in der Arbeitsweise der Patientenbehandlung – weg vom Spitalsbett hin zum ambulanten und/oder tagesklinisch geführten Patienten – hinzieht.

Gleichzeitig ist es mit dem ärztlichen Nachwuchs nicht zum Besten bestellt. Die Absolventenzahlen an den medizinischen Fakultäten in Österreich entsprechen ziemlich genau den benötigten Ärzten, die unser Land zur Kompensation des Abganges älterer Kollegen in den Ruhestand benötigen würde.

Diese 1:1 Rechnung geht aber derzeit nicht auf, weil bis zu 30% der Absolventen nicht als Ärzte in Österreich tätig werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Parameter, diesen Ärztemangel an Österreichs Spitälern zu stoppen?

Die medizinischen Fakultäten sollten die Anzahl der Absolventen auf das notwendige Maß erhöhen. Gleichzeitig muss der Beruf als intramural tätiger Arzt attraktiver werden.

Auf dem Weg dorthin gilt es, längst überkommene Modelle der angestellten Tätigkeit zu überdenken. Der Arzt als freier Beruf hat sich im „angestellten Dienstverhältnis“ kaum aus seiner militärischen Tradition des 19. Jahrhunderts weiterentwickeln können. Was wir dringend brauchen, sind neue Formen der Zusammenarbeit, die auch den Vorstellungen der heutigen Ärztegeneration entgegenkommen. Und das sowohl für Spitalsärzte, als auch für extramural tätige Kollegen. Die Kurie der angestellten Ärzte der ÖÄK hat dazu schon 2014 das Konzept „Spitalsarzt 2015“ präsentiert.

Prim. Univ. Doz. Dr. Rudolf Knapp
Bezirkskrankenhaus Kufstein, Abteilungsleitung Radiologie
ÖÄK, Leitung des Referates der Primarärzte

 

         
  Prim. Doz. Dr. Rupert Koller   Zwei Fragen an
Prim. Doz. Dr. Rupert Koller
 
Spüren Sie in ihrem beruflichen Klinikalltag den Ärztemangel?
Ja, massiv. Die Ausbildungsqualität wird schlechter, weil nicht genügend Oberärzte zur Ausbildung da sind und die Assistenten müssen teilweise ohne Supervision operieren oder in der Ambulanz sitzen. So lernen sie nicht operieren.
Ich selbst muss mich auch verstärkt in die Routine einbringen.
 

All das bedeutet geringere Flexibilität, da nicht alle alles gleich gut operieren können und sich der entsprechende Spezialist vielleicht gerade ausruhen muss. So entsteht eine ständige Verschiebung des OP-Programmes. Es gibt außerdem eine fehlende Kontinuität in der Betreuung, nur der Stationsarzt und der Abteilungsvorstand sind ständig da. Es sind Rufbereitschaften einzuführen, um so die Tagespräsenz zu verstärken.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Parameter, diesen Ärztemangel an Österreichs Spitälern zu stoppen?

Die Kapazitäten an den öffentlichen Universitäten müssen vermehrt werden. Momentan sieht es so aus, dass viele nach Deutschland studieren gehen und nicht wieder zurückkommen. Teure Privatunis sind dafür aber keine Lösung.

Es gibt außerdem viele motivierte junge Kolleginnen und Kollegen, die den Aufnahmetest nicht bestehen und dem System somit verloren gehen.

Österreichs Spitäler sollten zudem auf verstärkte Attraktivität durch Teilzeitmodelle setzen, in denen die Kolleginnen und Kollegen nebenbei Ordinationen führen können und ihre PatientInnen auch im Spital operieren können.

In Fächern, in denen Ordinationen nicht oder nur schwer möglich sind, ist wiederum eine entsprechende Bezahlung vonnöten, aber auch die Einforderung entsprechender Präsenz.

Prim. Univ. Doz. Dr. Rupert Koller
Wilhelminenspital der Stadt Wien, Abteilungsvorstand Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie

 
   
         
  RA Dr. Stephan Trautmann   Die Haftpflichtversicherung Gedanken
zur Verjährung von Ansprüchen
 
von RA Dr. Stephan Trautmann (…)
 
 
Weiterlesen


In Gesprächen mit Ärzten hat sich, seitens der Ärzte, immer wieder die Frage gestellt warum man eigentlich eine Haftpflichtversicherung benötigt, warum man haftet und wie lange man haftet (Haftungsdauer). Da dies – aus der Sicht des Rechtsanwaltes – eine für die prozessuale Tätigkeit im Rahmen ärztlicher Haftungen zentrale Frage ist, möchte ich kurz die wichtigsten Punkte zusammenfassen:

1 HAFTUNG
De Haftpflichtversicherung hat den Sinn, den Arzt im Rahmen einer Haftung, die ihm gegenüber ausgesprochen wird, finanziell abzufedern, sodass dieser bzgl. einer schadenersatzrechtlichen Geltendmachung von Ansprüchen weitestgehend (zumindest finanziell) geschützt ist.

1.1
Die Haftung des Arztes ergibt sich daraus, dass er – in den häufigsten Fällen – entweder einen sogenannten ärztlichen Behandlungsfehler zu verantworten hat oder ihm eine mangelhafte bzw. fehlende Aufklärung über seine Tätigkeit vorgeworfen wird, woraus sich dann auch ein (schadenersatzrechtlicher) Haftungsanspruch ableiten kann.

Bedenken sie jedoch: Grundsätzlich schuldet der Arzt ja aus dem abgeschlossenen Behandlungsvertrag heraus dem Patienten nicht eine Heilung, sondern eine fachgerechte, „dem Stand der Technik“ entsprechende Behandlung (sogenannte lege artis-Behandlung). Der Arzt haftet jedoch nicht für einen schicksalhaften Misserfolg. Der Vorwurf der mangelhaften bzw. fehlenden Aufklärung (und damit natürlich einhergehend oft auch der mangelhaften Dokumentation der Aufklärung) ist meistens im Vorfeld von Operationen zu sehen. Vermehrt wird dem Arzt in letzter Zeit aber in Haftungsfällen eine mangelhafte Nachbetreuung, auch im Sinne der Aufklärungsverpflichtung, für das zu setzende Verhalten des Patienten nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus etc. vorgeworfen.

2 DAUER DER HAFTUNG
Häufig wird die Frage gestellt, wie lange ein Arzt haftet – eine sehr schwer zu beantwortende Frage:

2.1
Grundsätzlich gilt, dass Schadenersatzansprüche drei Jahre nach Kenntnis von Schaden und Schädiger verjähren. Konkret beginnt nach der ständigen Rechtsprechung die Verjährungsfrist dann zu laufen, wenn der Sachverhalt dem Geschädigten (Patienten) so weit bekannt ist, dass er mit Aussicht auf Erfolg klagen kann. Die dreijährige Verjährungsfrist gilt also nur, wenn der Geschädigte (Patient) weiß, dass ein Schaden vorliegt und wie er zustande gekommen ist.

2.2 Ablaufshemmung
Der Ablauf der Verjährung ist während eines Schlichtungsverfahrens gehemmt. Diese „Ablaufshemmung“ bedeutet, dass ein Arzthaftungsanspruch bis zur Beendigung des Schlichtungsverfahrens nicht verjähren kann, selbst wenn die dreijährige Frist bereits abgelaufen ist. Die Hemmung des Laufes der Verjährungsfrist endet mit dem Tag, an dem entweder der Geschädigte (Patient), der Schädiger (Arzt), der angerufene Patientenanwalt oder die befasste ärztliche Schlichtungsstelle schriftlich erklärt haben, dass die Vergleichsverhandlungen als gescheitert gelten, spätestens aber 18 Monate nach Beginn des Laufes dieser Hemmungsfrist.

Nach dem Wegfall des Hemmungsgrundes läuft die Verjährungsfrist – unter Einrechnung der bereits abgelaufenen Zeit – wiederum weiter.

Eine Hemmung kann auch durch Aufnahme konkreter Gespräche mit der Haftpflichtversicherung des Schädigers entstehen, doch ist hier im Einzelfall zu prüfen, ob diese Gespräche tatsächlich zu einer Hemmung führen können oder nicht.

2.3 Verjährung
Prinzipiell können Ärzte (Mediziner) allerdings bis zu 30 Jahre für einen allfälligen ärztlichen Behandlungsfehler haften (absolute Verjährung – siehe auch § 1489 ABGB). Das gilt z.B. für das Erkennen bzw. für die Feststellung eines ärztlichen Behandlungsfehlers.

Es kann jedoch auch aufgrund eines so genannten Feststellungsurteiles eine prinzipielle Haftung für 30 Jahre gegeben sein: Ist ein Primärschaden entstanden, für den der Arzt haftet, und sind künftige Schäden vorhersehbar, so muss, wenn zum Klagszeitpunkt der eingebrachten Leistungsklage mit noch zu erwartenden Spätschäden zu rechnen ist, eine Feststellungsklage eingebracht werden, um Verjährungsfolgen hintan zu halten. Wenn ein Feststellungsurteil ergangen ist, kann also innerhalb eines Zeitrahmens von 30 Jahren ein Anspruch gestellt werden, sofern dieser innerhalb der kurzen Verjährungszeit ab Erkennen geltend gemacht wird, womit dann die Verjährung nicht zum Tragen kommt. Dies kann zum Beispiel auch für Nachfolgeoperationen, die z.B. erst 25 Jahre nach dem den Haftungsfall auslösenden Ereignis eintreten, der Fall sein. Um Prozesse nur wegen des Ablaufes der Verjährungsfristen zu vermeiden, wird von den Versicherungen manchmal eine Verjährungsverzichtserklärung abgegeben, wobei dies dann üblicherweise auch für den Arzt gilt.

Es ist deshalb wichtig, mit der Haftpflichtversicherung in stetigem Kontakt über einen Anlassfall zu sein und die Verhandlungs- oder Verteidigungsstrategie genau mit zu evaluieren.

Bedenken Sie, dass Sie auch im Sinne Ihrer Obliegenheiten eine Mitwirkungsverpflichtung haben.

3 NACHHAFTUNG
Prinzipiell ist der Zeitpunkt des Schadenseintrittes relevant.

3.1
Zum Zeitpunkt des Schadeneintrittes muss, damit eine Haftpflichtversicherung den Haftungsfall übernehmen kann, Versicherungsschutz gegeben sein. Bedenken Sie aber, dass es auch die so genannte Nachhaftung gibt. Dies bedeutet, dass der Arzt auch nach Beendigung seiner ärztlichen Tätigkeit, z.B. im oben genannten Verjährungszeitraum, für noch nicht verjährte Forderungen haftet. Die Nachhaftung ist im Prinzip nicht ausschließbar. Die Vorgaben für die Berufshaftpflichtversicherung gem. ÄrzteG/ZÄG sehen zwingend die Nachhaftung im Deckungsumfang der Berufshaftpflichtversicherung vor.

4 ERBENHAFTUNG
Weithin unbekannt ist, dass auch die Erben nach einem Arzt für nachträglich hervorkommende Verbindlichkeiten haften können. Die Haftung hängt wiederrum davon ab, unter welchen Vorrausetzungen das Erbe angetreten wurde. Das Erbrecht sieht nämlich eine sogenannte bedingte Erbantrittserklärung wie auch eine unbedingte Erbantrittserklärung vor.

4.1
Bei der bedingten Erbantrittserklärung übernimmt der Erbe eine Haftung für Schulden des Erblassers nur bis zur Höhe der übernommenen Aktiva. Bei der unbedingten Erbantrittserklärung haftet der Erbe allerdings für alle Schulden, sodass es passieren kann, dass man als Erbe aus dem eigenen Vermögen Schadenersatzleistungen bezahlen muss.

4.2
Da die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen (natürlich innerhalb der Verjährungszeit) auch gegenüber eingeantworteten Erben möglich ist, sollte auf diesen Umstand im Rahmen der Verlassenschaftsabhandlung Rücksicht genommen werden. Den Erben sei empfohlen, rechtzeitig zu überprüfen, ob die Haftpflichtversicherung ordnungsgemäß abgeschlossen wurde und alle Fälle deckt, die auch nach dem Antritt des Erbes hervorkommen könnten.

4.3
Da die Tendenz der Rechtsprechung durchaus dahin geht, die Haftung des Arztes nach eingetretenen Behandlungsfehlern (insbesondere sind hier aber auch Aufklärungsfehler gemeint) streng zu beurteilen, kann eine derartige Inanspruchnahme auch nach vielen Jahren, wenn der Arzt selbst oder auch seine Erben überhaupt nicht mehr mit irgendwelchen Inanspruchnahmen rechnen, noch eintreten. Sohin können Behandlungsfehler oft erst viele Jahre später negative Auswirkungen haben, weshalb gerade die Überprüfung der richtigen Haftungseindeckung essentiell ist, damit auch für den Erbfall rechtzeitig Vorsorge getragen wird, um die Erben vor negativen Auswirkungen optimal schützen zu können.

Zur Person:
RA Dr. Stephan Trautmann, geb. 1959, hat in Wien Rechtswissenschaften studiert. Nach Tätigkeiten im Bankensektor und in der verstaatlichten Industrie wurde er 1989 als Rechtsanwalt eingetragen und hat die gleichnamige Kanzlei gegründet. Schon in der Anfangszeit als Rechtsanwalt ist die Materie „Medizinrecht“ zu einem wesentlichen Faktor seiner Tätigkeit geworden. Im Laufe der Jahre ist die beratende Tätigkeit in Medizinangelegenheiten sowie die prozessuale Vertretung von Ärzten vor Gerichten und Behörden zu einem wichtigen Standbein seiner Kanzlei geworden. Dr. Trautmann ist führender Rechtsanwalt in der Beratung von Ärzten im Spitalsbetrieb und widmet sich auch vermehrt dem prozessualen Bereich z.B. bei der Abwehr von Ansprüchen.

Dr. Stephan Trautmann
Rechtsanwalt
1030 Wien, Ungargasse 4/2.Stk/Top 10
Telefon: 01/7134272, Fax: 01/7134272-42
Mobil: +43 (0) 664 32 65 258
E-Mail: trautmann@advocat.cc

Laufende Vortragstätigkeit u.a. im Rahmen des Ärztecollegiums (www.aerztecollegium.at) Artikel zu aktuellen Rechtsfragen können Sie über den Newsletter von ärzteservice (www.aerzteservice.com) beziehen.

ärztrservice

Ferstelgasse 6; A-1090 Wien
FN 291475s, Handelsgericht Wien
Telefon: 01/402 68 34 – 35
Fax: 01/402 68 34 – 25
E-Mail: office@aerzteservice.com
www.aerzteservice.com
www.facebook.com/aerzteservice
www.twitter.com/aerzteserviceAT

 
   
         
  Dr. Ines Vancata  

 

Dr. Ines Vancata im Interview

 
 
Weiterlesen


Frau Dr. Vancata, was denken Sie, brauchen wir innovative Therapieansätze überhaupt, wenn hinterher stets diskutiert wird, dass sich unser Gesundheitssystem die Erstattung nicht leisten kann?

Innovation ist wichtig und der Treiber in der Entwicklung einer effizienten und nachhaltigen Gesundheitsversorgung. Man soll aber Innovation nicht nur auf neue Therapieansätze reduzieren, Innovation ist in vielen Bereichen möglich und notwendig. Die Frage, die wir uns aktuell stellen müssen, ist, welche Lösungen wir schaffen können, um vorhandene Ressourcen optimal einzusetzen, damit Innovationen weiterhin für PatientInnen zugänglich bleiben und um die hohe Qualität unserer Versorgung aufrechtzuhalten. Dazu braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, Überlegungen gemeinsam anzustellen. Es wird auch Mut erfordern, neue Wege und Lösungen zu suchen und bestehende Pfade zu verlassen. Zweifelsohne ist es im Sinne aller Akteure im Gesundheitswesen, dass das Wohl der PatientInnen im Vordergrund aller Bestrebungen steht und der Zugang zu innovativen Arzneimitteln ist ein wesentlicher Teil davon.

Können Sie sich innovative Erneuerungen im Gesundheitssystem auf anderen Ebenen vorstellen und wenn ja welche?

Ich denke, dass die rasante Entwicklung der technischen Möglichkeiten, der Umgang mit Gesundheitsdaten und ein zunehmend komplexer werdendes Therapiespektrum einiges ganz massiv einfordern werden: eine grundlegende Weiterentwicklung in den Prozessen. Auf den Punkt gebracht: keine Gesundheitsinnovation ohne Prozessinnovation. Und diese Veränderungen sind auch möglich und nötig. Wesentliche Fortschritte könnten erzielt werden, wenn wir beispielsweise vorhandene Daten im Gesundheitsbereich effektiver und zum Wohl des Patienten besser nützen. Datenaufarbeitung und Datentransparenz könnten hier einiges bewegen, denn Transparenz schafft Qualität und Vertrauen.

Wo gibt es Möglichkeiten, wie die pharmazeutische Industrie einen Beitrag leisten könnte?

Die pharmazeutische Industrie liefert viele wertvolle Beiträge. Neben innovativen Arzneimitteln oder neuen Medizinprodukten, die für erkrankte Menschen besonders wichtig sind, weil sie eine Verbesserung ihrer Leiden bedeuten, liefert die Industrie auch einen wesentlichen finanziellen Beitrag. Ein Beispiel dafür ist der Rahmen-Pharmavertrag 2018: Im Jahr 2016 verpflichtet sich die Pharmawirtschaft, einen Solidarbeitrag in der Höhe von 125 Mio. Euro an die Krankenversicherungsträger zu leisten. 2017 und 2018 hängt die Höhe der Solidarbeiträge von der tatsächlichen Steigerung der Medikamentenausgaben ab. Pro Prozentpunkt sind das 10 Millionen Euro, wobei es eine Obergrenze von 80 Millionen Euro pro Jahr gibt. Damit zeigt die Industrie ihre Solidarität, das Gesundheitswesen langfristig zu unterstützen und Zugang zur umfassenden Patientenversorgung zu ermöglichen.

Aber auch wir von Roche ergreifen die Initiative und gehen immer wieder neue Wege und das seit mittlerweile 120 Jahren. Damit Patienten auch künftig Zugang zu innovativen Therapien haben und schlussendlich von der Behandlung profitieren können, braucht es unserer Meinung nach neue Lösungen. Als verlässlicher Partner im Gesundheitswesen und mit einem 100% Fokus auf Forschung und Entwicklung suchen wir nach diesen neuartigen Wegen, ressourcenbezogene Herausforderungen nachhaltig zu bewältigen. Daher entwickeln wir anstelle der bisherigen einheitlichen Struktur neue Preis- und Zugangsmodelle, die individuell auf das jeweilige Gesundheitssystem abgestimmt sind. „One fits all“ ist überholt und vorbei. Diese moderne Vorgehensweise umfasst beispielsweise personalisierte Erstattungskonzepte, differenzierte Preisgestaltung und individualisierte Patientenhilfsprogramme. Bei klassischen Erstattungsmodellen bezieht sich der Preis zumeist auf Einheiten von Medikamenten. Die von uns angebotenen „Personalised Reimbursement Models“ (PRM, personalisierte Erstattungsmodelle) dagegen ermöglichen, den Preis künftig nach dem jeweiligen Nutzen eines Medikamentes zu differenzieren. Personalisierte Erstattungsmodelle werden derzeit in 26 europäischen Ländern getestet. Auch in Österreich haben wir zukunftsweisende Pilotprojekte gestartet, um auch in Zukunft gemeinsam mit unseren Partnern im Gesundheitswesen den Patienten eine umfassende Versorgung anbieten zu können.

Dr. Ines Vancata
Head of Regional Health Care Management
Roche Austria GmbH

 
     
         
  Prim. Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz  

Generation Y: Querdenker oder Quengler?

von Renate Haiden

In den 80ern geboren, mit Neuen Medien groß geworden und gewohnt, alles zuerst einmal infrage (…)

 
 
Weiterlesen

zu stellen – das Zusammenarbeiten mit den Vertretern dieser Generation, den sogenannten „Millennials“, der „Generation Y“ oder „Digital Natives“, ist eine Herausforderung für Führungskräfte und Kollegen.

Laut einer Studie der Managementberatung KPMG sagen mehr als zwei Drittel der von ihnen befragten Unternehmen, dass sie die jungen Menschen, von denen hier die Rede ist, auf jeden Fall besser verstehen wollen! Kein Wunder, sind doch die 20- bis 30-Jährigen genau jene, die heute zunehmend in das Arbeitsleben einsteigen und damit den Arbeitsalltag wesentlich mitbestimmen.


Neue Qualitäten im Berufsleben

Das ist so und das haben wir schon immer so gemacht“ – damit ist selten ein Vertreter einer älteren Generation bei einem Jüngeren gut angekommen und erst recht nicht bei der Generation Y. Betrachtet man das Lebensumfeld, wird auch rasch klar, warum das so ist: Entscheidungen zu treffen ist für einen Y-Vertreter quasi überlebenswichtig. Aufgewachsen im Kommunikationszeitalter gilt es, mit dem Überfluss an Informationen, Medienangeboten und daraus resultierenden Wahlmöglichkeiten zurechtzukommen. Rasches Navigieren in einer sehr komplexen Welt hat dazu geführt, dass junge Menschen mit der Frage nach dem Warum und „Was bringt mir das?“ diese Komplexität aber ganz einfach reduzieren können, ihre eigenen Bedürfnisse gnadenlos in den Mittelpunkt stellen und damit völlig neue Qualitäten ins Berufsleben bringen, die selten eine Generation davor derart gekonnt beherrscht hat. In Zeiten des Ärztemangels bringt diese Generation gerade in den Gesundheitseinrichtungen eine zusätzliche Dynamik in die ohnehin schon angespannte Personalsituation: „Mehr zu leisten und weniger zu verdienen kommt für die junge Generation praktisch nicht in Frage. Die jungen Kollegen sind weitaus weniger bereit, sich überfordern zu lassen, als wir es in unserer Ausbildungszeit waren“, bestätigt Prim. Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Leiter der Klinischen Abteilung für Nephrologie am LKH Universitätsklinikum Graz und dritter Vizepräsident und Bundesländervertreter Steiermark des Verbandes leitender Krankenhausärzte Österreichs. Diese Entwicklung hat durchaus ihr Gutes, birgt aber auch Risiken: „Das Selbstbewusstsein der jungen Generation, ihre eigenen Grenzen früh und deutlich abzustecken, ist natürlich einerseits sehr gut, bringt aber andererseits Konflikte in Teams und stellt zusätzliche Anforderungen an Führungskräfte in einem ohnehin schon angespannten Setting“, so Rosenkranz.

Für viele „traditionelle“ Arbeitnehmer und Führungskräfte wirkt es, als könnte sich dieser Nachwuchs nur schwer an Regeln halten und würde nur dann kooperativ im Team arbeiten, wenn auch ein erkennbarer (Eigen-) Nutzen aus jeder Handlung folgt. Es liegt nahe, dass die Digital Natives daher oft auch als egoistisch, oberflächlich und selbstzentriert eingestuft werden. Doch genau genommen ist es nur eine wirksame Strategie, das Risiko einer falschen Entscheidung in Beruf und Alltag gut und rasch in den Griff zu bekommen und den passenden Weg durch das Dickicht an – zugegeben vielen verlockenden – Angeboten zu finden.


Tipps für ein gutes Miteinander

Es hat Tradition, dass junge Menschen immer anders werden wollten als ihre Vorgängergeneration und auf keinen Fall so wie die eigenen Eltern. Was jedoch die in die Jahre gekommene Vertreter der Babyboomer-Zeit (in den 1960er-Jahren) oder der Generation X (in den 1970er-Jahren) von den Digital Natives unterscheidet, ist, dass sie meist nach der Sturm- und Drangzeit dann doch irgendwann zu einem gleichmäßigen Lebensrhythmus und traditionellen Werten gefunden haben. Erstmals scheint aber nun eine Generation heranzuwachsen, die dieses Muster durchbricht. Die Auswirkungen auf das Arbeitsleben, auf die Personalisten, Führungskräfte und letztendlich Kollegen sind enorm, denn sie müssen lernen, dass die Schwachstellen dieses Verhaltens keine vorübergehenden „Jugendsünden“ sind, sondern zunehmend auch die kommenden Generationen prägen werden. Es ist daher an der Zeit, den richtigen Umgang mit der Spezies „Y“ zu lernen: Sie sind bereit, im Arbeitsleben viel zu leisten, jedoch fordern sie ebenso viel an Freiheit, Flexibilität und eine besonders breite Komfortzone. Beschränkungen im Zugang zu Neuen Medien, fixe Strukturen und unflexible Verhältnisse – das „geht gar nicht“. Feedback nur einmal jährlich ist Schnee von gestern. Millennials brauchen Anerkennung, Motivation, Spaß und Entertainment – und das sofort und immer. „Wir leben in einer Zeit, in der die Patienten anspruchsvoller werden, jetzt auch die jungen Kollegen vermehrt Aufmerksamkeit einfordern, da bleiben dann die alten Hasen schon manchmal auf der Strecke“, beschreibt Rosenkranz seine Beobachtungen.


Die „Verweiblichung“ der Medizin

Der Frauenanteil an der heimischen Ärzteschaft ist nach Angaben der Österreichischen Ärztekammer allein zwischen 2001 und 2011 von 38 auf 45 Prozent gestiegen. Nach einem kontinuierlichen Anstieg in den vergangenen 30 Jahren sind mittlerweile rund 63 Prozent der Medizinabsolventen weiblich, woran sich Prognosen zufolge auch bis etwa 2030 nichts ändern wird. Mehr als die Hälfte aller Spitalsärzte und ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte sind weiblich. „Gepaart mit den Ansprüchen der Generation Y heißt das für Dienstgeber, dass neue Arbeitszeitmodelle, flexible Anstellungsverhältnisse und mehr Teilzeit- oder Kinderbetreuungsangebote sowie die Unterstützung des Wiedereinstiegs nach der Karenz gefragt sind, um überhaupt als Dienstgeber noch attraktiv zu sein“, ist der VLKÖ-Vertreter überzeugt.

Zudem führt die „Verweiblichung“ der Medizin auch zu einer Verlagerung der Fachrichtungen: Immer mehr konzentrierten sich auf die Allgemeinmedizin und Fachrichtungen wie Gynäkologie, Dermatologie oder Radiologie, während sich nur wenige angehende Ärztinnen für die chirurgischen Fächer interessierten.


Mobil, innovativ und risikobereit

Ihre Loyalität zu einem Unternehmen ist nicht übermäßig langlebig, sobald diese Triggerfaktoren nachlassen. Das führt zu enorm hoher Mobilitätsbereitschaft, denn Freunde hat man ohnehin überall auf der Welt. Soziale Netze spielen sich nicht länger am Arbeitsplatz oder Wohnort ab, sondern in der digitalen Welt. Sie sind daher beständiger, unabhängig davon, wo und wie gearbeitet wird. Die „innere Kündigung“ gibt es nicht, denn so lange warten „Ys“ nicht auf Veränderungen. Sie werden aktiv, sobald die Komfortzone keine mehr ist.

Auf der anderen Seite nutzen sie neue Technologien, als wäre es eine Zahnbürste für den täglichen Gebrauch. Der Vorteil, den Unternehmen nutzen können, liegt auf der Hand: Millennials sind extrem wissensdurstig, innovativ und risikobereit! „Wir hätten uns wohl nie zu hinterfragen getraut, ob ein Stethoskop noch zeitgemäß ist, wenn ein Ultraschall in die Kitteltasche passt. Bei der jungen Generation kommen solche Anforderungen aber ganz selbstverständlich und werden dazu führen, dass in vielen Punkten an den Grundfesten des Gesundheitssystems gerüttelt wird. Das bringt eine Entwicklung in Gang, deren Richtung zwar noch nicht klar absehbar ist, die sich aber eine Reihe von Chancen für Ärzte und Patienten gleichermaßen offenhält“, so Rosenkranz.

Und dass sie wahre „Freizeitoptimierer“ sind, muss auch im richtigen Licht betrachtet werden. Eine ausgewogene Work-Life-Balance steht im Vordergrund ihres Handelns und die eigenen Bedürfnisse auch im Job ganz oben. Hier liegt klares Lernpotenzial für die ältere Generation: Schauen Sie sich etwas ab von einer Leistungsbereitschaft mit Maß und Ziel, ohne dabei die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen!

Prim. Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz
Leiter der Klinischen Abteilung für Nephrologie am LKH Universitätsklinikum Graz
Dritter Vizepräsident und Bundesländervertreter Steiermark des Verbandes leitender Krankenhausärzte Österreichs

 

 
  „Werden Medikamente zum Problem"  
 

 

Zusammenfassung der VLKÖ Schwerpunkttagung am 21. November 2015 zum Thema „Werden Medikamente zum Problem“

Klinische Studien, Arzneimittelpreise und Medikamentenmanagement waren die Schlagworte, um die sich bei der VLKÖ-Tagung im vergangenen November (…)
Weiterlesen

alles drehte. In drei Vorträgen wurden diese kontroversen Themen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und gaben Anstoß zu spannenden Diskussionen unter den Teilnehmern.


Der Stellenwert der klinischen Forschung in Österreich

Den Anfang machte Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Markus Zeitlinger von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien. Er betonte, dass – im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung – in der EU überdurchschnittlich viel klinische Forschung betrieben wird. Vor allem Österreich hat sich in den letzten 30 Jahren diesbezüglich deutlich zum Positiven gewandelt: noch 1985 lag der Anteil der klinischen Forschung am Bruttosozialprodukt 40 Prozent unter dem globalen Durchschnitt, im Jahr 2008 bereits ganze 26 Prozent darüber.

Besorgt in die Zukunft lässt Zeitlinger jedoch die neue EU-Direktive für klinische Studien blicken, die schon ab diesem Jahr (mit einer Übergangsfrist bis 2018) in Kraft tritt. Mit dem Ziel, mehr Transparenz zu schaffen, müssen fortan nämlich sämtliche Unterlagen und Protokolle eingescannt und online zur Verfügung gestellt werden. Diese veränderten Einreichbedingungen werden sowohl inhaltliche als auch monetäre Konsequenzen nach sich ziehen. Die Frage ist, wie interessant die EU als Studienort für die großen Konzerne und klinische Forschungszentren bei solchen Anforderungen noch sein wird. „Diese neue EU-Verordnung wird uns um Jahre zurückwerfen“, befürchtet Zeitlinger, „Niemand weiß, wie es genau ablaufen wird. Der Grund für diese Umstellung ist aber offensichtlich: Man will Zugang zu den Patientendaten.“


„Teure Patienten sind billige Patienten.“

Von klinischen Studien ging es weiter zu Arzneimittelpreisen. Diese waren Thema des Vortrags von Dr. Klaus Schuster, Market Access Director von Roche Austria. Auf die Titelfrage „Werden Medikamente zum Problem?“ antwortet Schuster ganz klar: „Ohne Medikamente haben wir ein Problem!“ Zwar sind die Medikamentenkosten oft hoch, aber durch wegfallende bzw. reduzierte Folgekosten bei einer erfolgreichen Therapie machen sie sich häufig bezahlt. „Patienten müssten beispielsweise nicht mehr so oft in Frühpension gehen, sie müssten nicht betreut werden oder zwei Mal im Jahr auf Reha“, zählt Schuster auf, „auch Spitalsaufenthalte könnten so reduziert werden.“

In Österreich entfallen laut Schuster jedoch nur 16 Prozent der Gesundheitskosten auf Medikamente, womit Österreich deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 23 Prozent liegt. Als Beispiel für die Auswirkung dieser verhältnismäßig niedrigen Ausgaben für Medikamente stellt er einen Vergleich an: Während es in Österreich pro Jahr rund 28.000 stationäre Spitalsaufenthalte mit der Hauptdiagnose Diabetes gibt, werden in der Schweiz – einem Land vergleichbarer Größe – nur 6.000 solcher Spitalsaufenthalte gezählt. Die Ursache für diese Diskrepanz liegt für Schuster auf der Hand: „Die Verschreibungspraxis ist im Ländervergleich sehr unterschiedlich. In Österreich werden EU-weit mengenmäßig am wenigsten blutzuckersenkende Medikamente verschrieben.“


Handlungsbedarf bei Aufklärung der Patienten

Der abschließende Programmpunkt der Tagung führte die Teilnehmer schließlich zum breiten Feld des Medikamentenmanagements aus Sicht zweier klinischer Pharmazeuten. „Das teuerste Medikament ist das nicht oder das falsch eingenommene“, beginnen Mag. Dr. Alexander Hartl und Mag. Christina Labut ihren launigen Vortrag. Hartl, der nicht nur Pharmazeut, sondern auch Mediziner ist, ortet ein ernstzunehmendes Informationsproblem zwischen Patient und betreuendem Arzt, ein „Sender-Empfänger-Problem“, wie er es nennt. Tatsächlich werden vom Patienten beim ersten Mal nämlich nur 10 Prozent der Botschaft sinnerfassend verstanden. Aufgrund der Stresssituation des Arztbesuchs und/oder der Vielzahl bereits einzunehmender Medikamente vergisst der Patient schlichtweg das meiste und verliert so letztlich den Überblick. „Dazu kommt, dass nicht wenige Patienten eine zweite, dritte oder sogar vierte ärztliche Meinung einholen. Die Gefahr von Arzneimittelinteraktionen oder Doppelverschreibungen steigt damit erheblich an“, erklärt Labut, klinische Pharmazeutin am AKH Wien.

Diese Fehler aufzuspüren und zu eliminieren, ist nun Aufgabe der klinischen Pharmazeuten. „In den Krankenhäusern gehen wir auf die Stationen und überprüfen alle Patienten auf Doppelverschreibungen und Interaktionen. Wir sind Ansprechpartner für sämtliche arzneimittelbezogene Fragen, sind bei Visiten dabei und führen Entlassungsgespräche mit den Patienten, um die richtige Medikamenteneinnahme auch zuhause sicherzustellen“, fasst Labut zusammen. Die Akzeptanz ist hoch, Labut spricht von 98,6 Prozent Umsetzungsrate.

Aber auch in den öffentlichen Apotheken wird den Patienten Beratung geboten. Bei sehr schweren Fällen kann sogar eine ausführliche Medikationsanalyse durchgeführt werden. „Der Patient wird dazu aufgefordert, all seine Medikamente zusammenzupacken und in die Apotheke mitzubringen. Zusammen wird dann versucht zu rekonstruieren, wann der Patient welches Medikament wie einnimmt. Auf dieser Basis wird anschließend mit einem qualifizierten externen Consiliumteam eine neue Lösung ausgearbeitet“, erklärt Hartl und bedauert, dass dieses spezielle Service jedoch nicht kostenfrei angeboten werden kann.

 
   
   
  Waste to energy“ – Die fachgerechte Entsorgung von Einweg-OP-Abdeckungen und -Mänteln
  Ein neues Experten-Papier der „Initiative Sicherheit im OP“ informiert über die vielfältigen ökologischen Vorteile der thermischen Verwertung von (…)
Weiterlesen

Einweg-OP-Abdeckungen und -Mänteln.

Die ökologisch fachgerechte Entsorgung von OP-Abdeckungen und -Mänteln ist ein wichtiger Teil des effizienten Abfallmanagements von Spitälern. „Nach dem Grundsatz ‚waste to energy‘ werden die Materialien in vielen Fällen thermisch verwertet, also in entsprechenden Entsorgungsanlagen verbrannt. Die bei der Verbrennung frei werdende Energie dient der Heizwärme- und Energiegewinnung. Einweg-OP-Abdeckungen und -Mäntel verfügen aufgrund ihres hochwertigen Rohmaterials über einen besonders hohen Brennwert.“ Das ist eine Kernaussage eines neuen Experten-Papiers*), das mit Unterstützung wissenschaftlicher Fachberater erarbeitet wurde und in dem Fachleute aus verschiedenen Bereichen, darunter Spezialisten aus Spitälern, zu Wort kommen.


Daten und Fakten.

Schätzungen zufolge entstehen österreichweit durch Einweg-OP-Abdeckungen und -Mäntel rund 500 Tonnen Abfall pro Jahr. Zum Vergleich: Allein in Wien landen 17.000 Tonnen Babywindeln und 30.000 Tonnen Katzenstreu pro Jahr im Restmüll. Gemäß ÖNORM S 2104 fallen Einweg-OP-Abdeckungen und -Mäntel mehrheitlich in die Kategorie der „Abfälle ohne Verletzungsgefahr“. Sie können laut Norm wie „hausmüllähnlicher Restmüll“ behandelt werden, wenn sie in flüssigkeitsdichten, undurchsichtigen, verschlossenen, transportsicheren Säcken verpackt sind. Eine Desinfektion bzw. Dekontamination von OP-Einweg-Materialien vor der Entsorgung ist in der Praxis nur sehr selten erforderlich.


Thermische Verwertung.

Entsprechend den einschlägigen Bestimmungen werden solche Krankenhaus-Abfälle von den Entsorgungsunternehmen direkt, ohne Zwischenlagerung, zur jeweiligen Verwertung gebracht. Für die Verbrennung sind in Österreich insgesamt 49 Anlagen im Einsatz. Abfall, der mit gefährlichen Erregern behaftet ist, wird getrennt in speziellen Tonnen gesammelt und von speziell ausgerüsteten Transportern zu dafür geeigneten spezialisierten Verbrennungsanlagen transportiert.


Beiträge zum Klimaschutz.

Bei der Verbrennung von Abfall bei Temperaturen von über 1000°C werden unter starker Wärmeabgabe die Kohlenstoffverbindungen (organische Stoffe) durch Oxidation mit Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasserdampf umgewandelt. Die durch Verbrennung freiwerdende Energie wird zu Strom bzw. nutzbarer Wärme umgewandelt.

„Einweg-OP-Abdeckungen und -Mäntel sind für die thermische Verwertung besonders gut geeignet, denn sie verfügen aufgrund ihrer hochwertigen Ausgangsmaterialien über einen sehr hohen Brennwert“, so das Experten-Papier. „Wesentliche Bestandteile von Einweg-OP-Abdeckungen und -Mänteln – die genaue Zusammensetzung ist produktspezifisch unterschiedlich – sind unter anderem Viskosevliesstoffe, Zellulose, PES, Polypropylen-Vlies oder Polypropylen-Filamente sowie Polyethylen-Folien. Der Heizwert von Polyethylen-Folien z.B. beträgt 12,2 kWh/kg, der von Polypropylen-Fasern 12,6, kWh/kg, der von Zelluloseerzeugnissen 4,5 kWh/kg und der von Viskoseerzeugnissen 4,9 kWh/kg. Zum Vergleich: Der Brennwert von Heizöl liegt bei 9,8 bis 11,6 kWh/L, der von Koks beträgt 8,1 kWh/kg und der von Holz 4,0 kWh/kg.“

Je nach Verfahren und Anlagentechnik fallen bei der Verbrennung feste Rückstände an, darunter konzentrierter Filterkuchen, Schlacken und Kesselaschen. Aufgrund der relativ hohen Dichte dieser Rückstände beträgt das dafür erforderliche Deponievolumen nur mehr rund zehn Prozent des ursprünglichen Volumens.

Ein wesentlicher Teil der festen Verbrennungsrückstände kann bei entsprechender Verfahrenstechnik in verwertbarer Form (z.B. Metalle, Gips) oder in baustoffähnlicher Qualität gewonnen werden.

Die Schlacken und Kesselaschen aus der Müllverbrennung sind gesteinsähnlich und völlig unschädlich. Sie können problemlos deponiert werden oder sogar als Schotter im Straßenbau Verwendung finden.

Die Filterkuchen, in denen allfällige Schadstoffe aus den Ausgangsstoffen konzentriert werden, werden in speziellen Untertagedeponien abgelagert oder mit Beton verfestigt, sodass sie auch auf Obertag-Deponien gefahrlos deponiert werden können.

Den Volltext des Experten-Papiers gibt es unter www.sicherheitimop.at

Weitere Informationen zu „Waste to energy“

*) „Waste to energy – Fachgerechte Entsorgung von Einweg-OP-Abdeckungen und -Mänteln“; Wissenschaftliche hygienische Beratung: Priv.-Doz. Dr. Florian Daxböck; Wissenschaftliche Beratung zur Thematik Abfallmanagement im medizinischen Bereich: Werner Grobbauer, MSc., Dr. Susanne Mahnik, VAMED-KMB, Gerhard Horinek, MBA, VAMED-KMB

 
   
   
  Vermischtes
   
         
  „Patient im Recht“   „Patient im Recht“
 
Patientenrechte und -pflichten leicht verständlich beschrieben
 
Welche Rechte habe ich als Patient? Muss ich an ELGA teilnehmen? (…)
Weiterlesen

Wer entscheidet für mich, wenn ich nicht mehr kann? Habe ich ein Recht auf Kopie meiner Krankengeschichte? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der neue MANZ-Ratgeber.

Der Gesetzgeber hat eine Reihe von Regelungen für die unterschiedlichsten medizinischen Bereiche getroffen und räumt dem Patienten neben zahlreichen Rechten auch bestimmte Pflichten ein. "Patient im Recht" bietet eine Übersicht dieser Regelungen und beantwortet anhand von Fallbeispielen und mit praktischen Tipps alle Fragen rund um Rechte und Pflichten des Patienten.

 
   
         
  „Abteilungsmanagement kompakt“   „Abteilungsmanagement kompakt“
 
Wettbewerbsfähigkeit der Fachabteilung im Krankenhaus sichern
 
Bei immer knapperen finanziellen Ressourcen, Personalmangel und der ständigen Forderung (…)
Weiterlesen

nach Umsatzsteigerung reicht die medizinische Expertise oft nicht mehr aus, um Fachabteilungen wettbewerbsfähig zu halten bzw. zu machen. Mit praktischen Tipps zu Handlungsstrategien, einer Auswahl erprobter Instrumente für ein erfolgreiches Abteilungsmanagement sowie theoretischem Wissen in Form von Exkursen bietet „Abteilungsmanagement kompakt“ Antworten auf die Fragen zukünftiger Chefärzte.

Erschienen ist das Buch bei Medhochzwei Verlag GmbH – Medien für das Gesundheitswesen.

 
   
 
Termine und Veranstaltungen
 
 

13. April
Aktuelle Entwicklungen in der interdisziplinären Therapie des Kolorektalkarzinoms
Wien

Weiterführende Informationen


15. April
Nuklearmedizin
Wien

Weiterführende Informationen


22. April
Spezielle Ausbildung für diagnostische Anwendung v. Röntgenstrahlen (RÖDIA)
Wien

Weiterführende Informationen


10. Mai
Divertikelose und Divertikulitis: Neue Aspekte
Wien

Weiterführende Informationen


21. Mai
VLKÖ Jahrestagung „Primaria/Primarius heute: noch ein attraktiver Job?“
AUVA, Adalbert-Stifter Straße 65, 1200 Wien

Weiterführende Informationen


24. Mai
Infektionserkrankungen in der Pädiatrie – Neue Entwicklungen
Wien

Weiterführende Informationen

 
 
 
 
 
NEWSLETTER 1/2016
 

 

Der VLKÖ
vlkoe.at
Die PREMIUMPLATTFORM von über 1500 leitenden ÄrztInnen im österreichischen Gesundheitswesen.
Ihr NETZWERK zu Politik, Industrie und Medizin mit hoher fachlicher Expertise und Kompetenz.
Der DIGITALE NEWSLETTER zum intensiven Informationsaustausch erscheint 6x pro Jahr.
 
Administratives Sekretariat: c/o Wiener Medizinische Akademie, Alser Straße 4, A-1090 Wien office@vlkoe.at | vlkoe.at | ZVR 714438091 | Tel +43 1 405 13 83 - 20 | Fax + 43 1 405 13 83 - 23
Public Relations: Fischill PR - Britta Fischill, Kochgasse 4/4, A-1080 Wien office@fischill.at |.fischill.at | Tel +43 676 38 48 656 | UID 470 77 407                         | Datenschutzerklärung | HOME
 
nach oben